Konflikt

Es gibt etwas, wovor wir uns in unserem eigenen Leben nach Kräften zu schützen versuchen, das uns aber in Büchern und Filmen ausgesprochen reizvoll erscheint: Konflikte. Wenn sich zwei Menschen in einer Beziehung nicht einigen können, wenn Chef und Mitarbeiter, Eltern und Kinder nicht einer Meinung sind: das macht eine gute Geschichte erst richtig lesenswert. Manchmal liegt der Konflikt auch in der Persönlichkeit eines Protagonisten, etwa wenn er in sich Eigenschaften vereint, die uns widersprüchlich erscheinen.

Im ersten Band meiner „Quo Vadis“-Reihe bin ich sehr vorsichtig mit Konflikten umgegangen. Jetzt beim Schreiben des zweiten Teiles werde ich mutiger und gestehe den Akteuren durchaus mehr Streit und widerstrebende Interessen zu. Nicht nur im Krimi ist es für den Leser spannend, erfahren zu wollen, wie ein Handlungsstrang ausgeht. Wenn alles vorhersehbar ist, geht diese Spannung verloren.

Und wenn wir ehrlich sind: auch in unserem Leben ist nicht alles vorhersagbar. Und das ist gut so.

Fantasie

Ohne Fantasie gäbe es keine Literatur, keine Bilder, keine Filme. Kinder bringen die Fähigkeit zum Fantasieren mit und haben große Freude daran, sie einzusetzen. Sie versetzen sich in Rollen und Situationen. Irgendwann beginnen die Erwachsenen dann, ihnen das Fantasieren schlecht zu machen. Warum eigentlich?

Vermutlich ist es die Sorge, sich nicht genügend mit der realen Welt – was auch immer das sein mag – zu befassen. „Was soll mal aus Dir werden?“ heißt es dann. Später bemühen wir uns, unsere Fähigkeit zum Fantasieren wieder auszugraben und zu fördern. Dabei ist Fantasie doch eine intellektuelle Fähigkeit: sie setzt voraus, daß der Fantasierende seine Umgebung ausblendet, sich von ihr löst und rein geistig eine eigene Wirklichkeit erschafft. Fantasie ist Kreativität, ist aktives Hervorbringen. Was ist schlecht daran?

 

Leidenschaft

Wenn ich darüber nachdenke, was mir am Arbeiten wichtig ist, fällt mir spontan Veränderung ein: ich mag es, mich auf Neues einzulassen, mich in bisher unbekannte Themen einzuarbeiten. Man kann das natürlich auch böse als unstet charakterisieren und es fällt mir schwer, das durch Argumente zu widerlegen.

Andererseits bin ich inzwischen alt genug, um zu wissen, daß es sich hier um eine grundlegende Eigenschaft meiner Person handelt, die sich nicht mehr wesentlich verändern wird.

Noch etwas ist mir aufgefallen: wenn ich mich an ein neues Projekt mache, entflammt in mir eine Leidenschaft, die mich motiviert und inspiriert. Wenn es mir also gelingt, immer wieder neue Aufgaben zu finden, bin ich viel effektiver und erfolgreicher als im Alltagstrott.

Insofern kann das Schreiben genau die richtige Aufgabe sein: immer neue Buchprojekte und selbst unterhalb dieser Ebene neue Protagonisten, neue Handlungsstränge, neue Wendungen und Überraschungen. Es gibt so vieles zu tun…

Berührungen

Diese unbeschreibliche Sensation: Haut auf Haut. Fremde Haut auf meiner Haut. Die Ungewißheit, was als nächstes geschieht. Wohin bewegt sich die andere Hand, die andere Zunge? Wie sanft oder kräftig? Zieht sie sich zurück oder intensiviert sie ihre Berührungen?

Nur ein anderer Mensch kann diese Empfindungen in mir auslösen.

Reihe

Eine Buchreihe bietet die Möglichkeit, die Entwicklung der Kerngeschichte über eine größere Strecke zu verfolgen. Für den Leser hat das den Vorteil, daß er keinen superdicken Wälzer mit 2.000 Seiten durcharbeiten muß, sondern in mehreren Abschnitten immer wieder neu mit der Geschichte und ihren Figuren in Berührung kommt.

Besonders gelungen finde ich in einigen neueren Fernsehserien (z.B. Die Brücke), wenn Nebenfiguren der einen Folge später den Hauptpart einnehmen. So habe ich noch mehr Veranlassung, konzentriert zuzuschauen und später den Wiedererkennungseffekt zu genießen.

Überhaupt mag ich es, in Büchern einer Reihe die Entwicklung der Protagonisten zu verfolgen. Vielleicht ist es das Gefühl, denjenigen schon lange zu kennen, das dies auslöst.

Probezeit

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, wenn ich als Kind oder Jugendlicher aus dem Kino kam: die Eigenschaften des Helden waren im dunklen Saal zu meinen geworden – ich war genauso mutig, stark und schlau wie sie. Mit festem Schritt und erhobenem Kopf verließ ich das Kino und stellte mich der Welt…

Mit meinen Figuren ist es ganz ähnlich: ich kann mich in sie hineinversetzen und mit ihnen Dinge erleben, die ich immer schon erleben wollte. Ich kann ausprobieren, wie es ist, ein A..loch zu sein oder auch ein Engel. Alles ist möglich – wie in Andreas Bouranis Song „Alles nur in meinem Kopf“.

Diese schier grenzenlosen Möglichkeiten bringen die Gefahr mit sich, daß ich mich verzettele. Dann ufert die Geschichte aus und der Leser langweilt sich. Ich versuche, beim Überarbeiten der Texte die Perspektive des Lesers einzunehmen und genau darauf zu achten, ob die Story für mich weiter interessant bleibt.

Denn das ist und bleibt mein Ziel: den Leser darauf gespannt zu halten, was auf der nächsten Seite erzählt wird.

 

 

Frei erfunden

„Alle Personen und Ereignisse sind frei erfunden“ – so ähnlich ist es oft im Abspann von Filmen zu lesen. Erfunden sind auch die Personen in meinen Geschichten. Sie sind nicht real, es gibt sie nicht in der tatsächlichen Welt.

Dies ist allerdings eine Aussage, die sich nicht beweisen läßt: vielleicht gibt es da draußen irgendwo jemanden, der genau so ist wie Alex oder Lisa oder Nils. Vielleicht hat er oder sie einen anderen Namen, vielleicht auch nicht. Und mitunter erlebt jemand die gleichen Dinge, die die Protagonisten meiner Geschichte erleben.

Was aber ist dann erfunden und was real? Die Eigenschaften, die ich den Personen zuschreibe, gibt es ja: auch im wirklichen Leben sind Menschen ängstlich oder mutig, still oder laut, dick oder dünn. Und auch die Kombination dieser Eigenschaften findet sich hier und da wieder.

Also machen Sie es wie ich: beobachten Sie aufmerksam, was um Sie herum geschieht. Vielleicht sind meine Figuren ja gar nicht frei erfunden…

Einen weiterführenden (englischen) Beitrag gibt es hier.

Warum

Warum schreibe ich? Zunächst einmal nicht, weil ich mir davon Geld oder Reichtum verspreche. Klar – ich hätte gegen beides nichts einzuwenden. Aber meine Motivation entspringt einer ganz anderen Quelle: Macht.

Wenn ich an einer Geschichte sitze, übe ich Macht über die fiktiven Personen, ihre Erlebnisse und Interaktionen aus. Sie leben das Leben, das ich ihnen zugestehe, machen die Erfahrungen, die ich ihnen andichte. Trotzdem entwickelt eine Geschichte bisweilen ihr Eigenleben. Dann trägt mich der innere Faden der Geschichte an Orte, die ich vorher nicht geplant habe.

In meinen Protagonisten kann ich mich selbst in Situationen bringen, die mir im wahren Leben nie vergönnt wären, ich kann aber auch aus verschiedenen Teilpersönlichkeiten eine vollkommen neue erschaffen.

Das ist die eine Motivation. Die andere ist, daß ich den Leser an die Hand nehmen möchte und ihn durch die Geschichte in für ihn neues Land bringen möchte. Ich lese selbst sehr gern und viel und freue mich, wenn eine Geschichte so gut geschrieben ist, daß ich nicht absehen kann, was auf mich im nächsten Kapitel wartet. Das ist vor allem, aber beileibe nicht nur bei Krimis so.

Aber das ist schon wieder eine neue Geschichte.

Marketing

Es hat etwas Anrüchiges: Marketing. Ein wenig klingt es so, als wollte man Leute manipulieren, sie dazu bringen, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht wollen („Kaufen, kaufen, kaufen…“).

Aber in der Realität habe ich als (neuer) Autor ein Problem: es ist zwar wahnsinnig einfach geworden, sein Buch zu veröffentlichen (dem eBook und dem Digitaldruck sei Dank), aber damit erreiche ich meine potentiellen Leser noch lange nicht.

Also muß ich mir Gedanken machen, wie ich das ändern kann, was gar nicht so einfach ist. Denn ich bin nicht der Einzige, der dieses Problem für sich lösen möchte. In der Vergangenheit haben Verlage diese Aufgabe gelöst. Sie haben allerdings für einige Frustration bei Autoren gesorgt. Manchmal auch bei den Verlagen (ich frage mich immer, was die Leute gemacht haben, die am Anfang J.K.Rowling abgelehnt haben…).

Es wäre einfacher, wenn ich mich ganz auf das Schreiben konzentrieren könnte, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof.