Es geht weiter

Im ersten Teil der „Quo Vadis“-Reihe habe ich beschrieben, wie Alex und Lisa in eine offene Beziehung stolpern. Nichts war geplant oder durchdacht. Manche Stolperschritte taten weh – ihm oder ihr. Es bleibt offen, ob sie diesen Weg weitergehen wollen und wohin er sie am Ende führen wird. Gibt es ein Ziel?

Das Schöne ist, daß ich es selbst noch nicht weiß. Ihre Geschichte entfaltet sich beim Schreiben. Gerade erleben die beiden neue Konstellationen, die bislang Vertrautes in Frage stellen. Aber so ist das in unserem Leben: wir suchen nach Beständigkeit und Halt während uns zugleich das Neue und Unbekannte fasziniert und anzieht. Aus dieser Spannung entsteht das, was wir unsere Lebensgeschichte nennen.

Probezeit

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, wenn ich als Kind oder Jugendlicher aus dem Kino kam: die Eigenschaften des Helden waren im dunklen Saal zu meinen geworden – ich war genauso mutig, stark und schlau wie sie. Mit festem Schritt und erhobenem Kopf verließ ich das Kino und stellte mich der Welt…

Mit meinen Figuren ist es ganz ähnlich: ich kann mich in sie hineinversetzen und mit ihnen Dinge erleben, die ich immer schon erleben wollte. Ich kann ausprobieren, wie es ist, ein A..loch zu sein oder auch ein Engel. Alles ist möglich – wie in Andreas Bouranis Song „Alles nur in meinem Kopf“.

Diese schier grenzenlosen Möglichkeiten bringen die Gefahr mit sich, daß ich mich verzettele. Dann ufert die Geschichte aus und der Leser langweilt sich. Ich versuche, beim Überarbeiten der Texte die Perspektive des Lesers einzunehmen und genau darauf zu achten, ob die Story für mich weiter interessant bleibt.

Denn das ist und bleibt mein Ziel: den Leser darauf gespannt zu halten, was auf der nächsten Seite erzählt wird.