Fantasie

Ohne Fantasie gäbe es keine Literatur, keine Bilder, keine Filme. Kinder bringen die Fähigkeit zum Fantasieren mit und haben große Freude daran, sie einzusetzen. Sie versetzen sich in Rollen und Situationen. Irgendwann beginnen die Erwachsenen dann, ihnen das Fantasieren schlecht zu machen. Warum eigentlich?

Vermutlich ist es die Sorge, sich nicht genügend mit der realen Welt – was auch immer das sein mag – zu befassen. „Was soll mal aus Dir werden?“ heißt es dann. Später bemühen wir uns, unsere Fähigkeit zum Fantasieren wieder auszugraben und zu fördern. Dabei ist Fantasie doch eine intellektuelle Fähigkeit: sie setzt voraus, daß der Fantasierende seine Umgebung ausblendet, sich von ihr löst und rein geistig eine eigene Wirklichkeit erschafft. Fantasie ist Kreativität, ist aktives Hervorbringen. Was ist schlecht daran?

 

Leidenschaft

Wenn ich darüber nachdenke, was mir am Arbeiten wichtig ist, fällt mir spontan Veränderung ein: ich mag es, mich auf Neues einzulassen, mich in bisher unbekannte Themen einzuarbeiten. Man kann das natürlich auch böse als unstet charakterisieren und es fällt mir schwer, das durch Argumente zu widerlegen.

Andererseits bin ich inzwischen alt genug, um zu wissen, daß es sich hier um eine grundlegende Eigenschaft meiner Person handelt, die sich nicht mehr wesentlich verändern wird.

Noch etwas ist mir aufgefallen: wenn ich mich an ein neues Projekt mache, entflammt in mir eine Leidenschaft, die mich motiviert und inspiriert. Wenn es mir also gelingt, immer wieder neue Aufgaben zu finden, bin ich viel effektiver und erfolgreicher als im Alltagstrott.

Insofern kann das Schreiben genau die richtige Aufgabe sein: immer neue Buchprojekte und selbst unterhalb dieser Ebene neue Protagonisten, neue Handlungsstränge, neue Wendungen und Überraschungen. Es gibt so vieles zu tun…

Reihe

Eine Buchreihe bietet die Möglichkeit, die Entwicklung der Kerngeschichte über eine größere Strecke zu verfolgen. Für den Leser hat das den Vorteil, daß er keinen superdicken Wälzer mit 2.000 Seiten durcharbeiten muß, sondern in mehreren Abschnitten immer wieder neu mit der Geschichte und ihren Figuren in Berührung kommt.

Besonders gelungen finde ich in einigen neueren Fernsehserien (z.B. Die Brücke), wenn Nebenfiguren der einen Folge später den Hauptpart einnehmen. So habe ich noch mehr Veranlassung, konzentriert zuzuschauen und später den Wiedererkennungseffekt zu genießen.

Überhaupt mag ich es, in Büchern einer Reihe die Entwicklung der Protagonisten zu verfolgen. Vielleicht ist es das Gefühl, denjenigen schon lange zu kennen, das dies auslöst.

Probezeit

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, wenn ich als Kind oder Jugendlicher aus dem Kino kam: die Eigenschaften des Helden waren im dunklen Saal zu meinen geworden – ich war genauso mutig, stark und schlau wie sie. Mit festem Schritt und erhobenem Kopf verließ ich das Kino und stellte mich der Welt…

Mit meinen Figuren ist es ganz ähnlich: ich kann mich in sie hineinversetzen und mit ihnen Dinge erleben, die ich immer schon erleben wollte. Ich kann ausprobieren, wie es ist, ein A..loch zu sein oder auch ein Engel. Alles ist möglich – wie in Andreas Bouranis Song „Alles nur in meinem Kopf“.

Diese schier grenzenlosen Möglichkeiten bringen die Gefahr mit sich, daß ich mich verzettele. Dann ufert die Geschichte aus und der Leser langweilt sich. Ich versuche, beim Überarbeiten der Texte die Perspektive des Lesers einzunehmen und genau darauf zu achten, ob die Story für mich weiter interessant bleibt.

Denn das ist und bleibt mein Ziel: den Leser darauf gespannt zu halten, was auf der nächsten Seite erzählt wird.